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LSBTTIQ Menschen und die katholische Kirche – wie es sein müsste

Reden/Artikel

Weekly Comment: LSBTTIQ Menschen und die katholische Kirche – wie es sein müsste

Stellen wir uns vor, wir würden in einer Welt, in einem Land leben, wo jeder Mensch frei so sein kann, wie er will und jeder und Jede eine Liebesbeziehung leben kann, auch wenn diese nicht heterosexuell ist. Das sollte das Ziel einer jeden politischen Partei sein, die das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland lebt und so sollte es auch Teil der politischen Haltung sein und dessen, was die Partei gesetzgeberisch vertritt.

Ich bin (stolzes) Mitglied einer solchen Partei. Unsere Arbeitsgemeinschaft SPDqueer zeigt das unter anderem. Leider jedoch gibt es Institutionen in Deutschland, die eine solche Freiheit für queere Menschen nicht zulassen. Eine davon ist die katholische Kirche, wie unter anderem eine Dokumentation über genau jene Menschen, die als Queers Arbeitnehmer*innen in dieser Kirche sind, diese Woche gezeigt hat.

Einer Institution den Freiraum zu lassen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, kann nicht heißen, dass sie diskriminieren darf. Wenn das kirchliche Arbeitsrecht zurecht in Frage gestellt wird, dann deshalb, weil Schutzräume für Schlechterbezahlung, Gewerkschaftsfreiheit und Diskriminierung dem solidarischen Miteinander unseres Landes – zu dem die Christ*innen viel beigetragen haben und jeden Tag beitragen – passt.

Für sie bleiben nur Heimlichkeit, Verschwiegenheit und die Angst, dass die Menschen, denen man sich anvertraut hat, das auch geheim halten. Das ist eine Sache, die normalerweise vor keinem Arbeitsgericht standhalten würde. Warum in der katholischen Kirche?

Entweder man behandelt die Kirche als Arbeitgeber und sie muss Menschen unabhängig ihrer Herkunft, Geschlecht und Sexualität einstellen. Oder man dreht Dokus, schreibt Texte wie diesen und hofft. Hofft auf Besserung aus dem Inneren der Kirche. Hofft, dass sie merkt, dass ihr gute Arbeitskräfte wegbleiben. Hofft, dass die Kirche von selbst etwas besser macht.

Seit dem mutigen Coming Out gibt es auch aus der Kirchenspitze Wortmeldungen: von einem Prozess für mehr Verständnis ist die Rede. Ein Prozess im Jahr 2022, um Diskriminierung zu beenden? Das ist kein gutes Signal, das ist ein Armutszeugnis.

Und es betrifft nicht nur homosexuelle Cis-Männer, wie Führungskräfte der Kirche scheinbar denken. Es betrifft die gesamte LSBTTIQ-Community, die so viel mehr ist als homosexuelle Männer im Pfarrberuf. Es betrifft Pastoralreferent*innen, Erzieher*innen, Pfleger*innen, Lehrer*innen und so viele mehr.

Es muss sich grundsätzlich etwas ändern. Religionsfreiheit darf nicht weiter beinhalten, dass Menschen legal diskriminiert werden. Es gibt genug gläubige Menschen, die queer sind und sich allein gelassen fühlen von der Kirche. Auch die Kirche muss mit der Zeit gehen und wir sind in einer Zeit, wo eine solche Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe nicht mit einem einfachen Kopfschütteln abgetan werden sollte. Da sollte Politik sich für stark machen.


Foto: Petra Uhlenbrock

Florian Mattheier

Internetbeauftragter der SPD Rhein-Neckar

 

 

 


Die SPD Rhein-Neckar wird von nun an wöchentlich einen Artikel zum aktuellen Geschehen veröffentlichen. Dieser läuft unter dem Namen "Weekly Comment" und wird von einzelnen Mitgliedern des SPD Kreisvorstandes und anderer Funktionsträger der SPD im Rhein-Neckar-Kreis geschrieben.
Feedback können Sie gerne an diese Emailadesse richten.
 

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