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AG 60plus Rhein-Neckar

12.12.2022 in Aus dem Parteileben

60 plus Heilbronn: Bedeutende Köpfe in der Heilbronner SPD

 

Beim Jahresabschlusstreffen 2022 der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus Heilbronn
Stadt & Land in der Gaststätte Jahnheide am See porträtierte die Diplom-Volkswirtin
Dr. Elke Schulz-Hanßen drei bekannte sozialdemokratische Heilbronner
Persönlichkeiten anhand von Beiträgen in der Schriftenreihe des Stadtarchivs über
„Heilbronner Köpfe“, und zwar von Abraham Gumbel, Anna Ziegler und Friedrich
Niethammer. Wie die Referentin erläuterte, erfasst diese Stadtarchiv-
Publikationsreihe bislang 152 Heilbronner Personen („die schon tot sein müssen“)
aus Gesellschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft, darunter „nur“ 25 Frauen.


Abraham Gumbel: Sozialdemokrat, Bankier, Friedensaktivist
Er wurde am 21. Oktober 1851 in Stein am Kocher in einer dort seit 1725 bezeugten
jüdischen Familie geboren. Er folgte 1861 seinem Bruder nach Heilbronn, wo sie
gegen eine recht hohe Aufnahmegebühr das Heilbronner Bürgerrecht erhielten.
Gumbel arbeitete nach dem Abitur als Kommissionär im Bankgeschäft seines Vaters.
Politisch aktiv wurde Abraham Gumbel, als er den 1872 gegründeten
sozialdemokratischen Ortsverein Heilbronn, zusammen mit dem Gründungsmitglied,
Gustav Kittler, ausbaute. Wegen seinem Engagement u.a. gegen die
Sozialistengesetze, entzog er sich 1878 der Verhaftung durch Umzug zuerst nach
Reutlingen, später nach Paris. Als Abraham Gumbel 1887 in das Bankgeschäft
seines 64jähigen Vaters eintrat, trat er aus der SPD aus, blieb aber bei seiner
sozialdemokratischen Gesinnung und unterstützte lebenslang Heilbronner SPDGenossen.
1891 übernahm er die Bank, nach Heirat 1889 betrieb er ab 1907 mit
seiner Ehefrau Elise das Bank- und Wechselgeschäft „Gumbel am Markt“, aus dem
dann 1909 die Gründung des genossenschaftlich geführten „Heilbronner Bankverein“
als GmbH hervorging, Vorgängerinstitut der Heilbronner Volksbank. Abraham
Gumbel starb am 25. Dezember 1930, hatte also den Niedergang der Weimarer
Republik nicht mehr erlebt und nicht die Machtübernahme der Nazis.
Obwohl 1930 die Nazis in Heilbronn noch bedeutungslos waren, hatte Abraham
Gumbel vor ihnen gewarnt.

Anna Ziegler, erste Heilbronnerin im Gemeinderat und im Reichstag
In Backnang 1882 geboren, nach der Volksschule in Frankfurt als Dienstmädchen
verdingt und lernt 1906 ihren Mann, einen Gewerkschaftsfunktionär kennen. Nach
der Heirat im selben Jahr tritt sie in die SPD ein, schließt sich 1915 der USPD an.
Über Hannover und Bremerhaven kommen die Zieglers nach Heilbronn, wo Anna bei
der Kommunalwahl 1919 in den Gemeinderat gewählt wird – als erste Frau. Bei der
Reichstagswahl kandidiert sie für den Wahlkreis 34 (Württemberg) und wird im
Juni 1920 ebenfalls als erste Frau gewählt, erneut im Dezember 1922. In Berlin
engagierte sie sich eher noch mehr als in Heilbronn, wechselt nach der ersten
Legislatur von der USPD in die SPD-Fraktion und schließlich 1923 zur KPD. 
Nach der Scheidung von ihrem Mann gibt sie dann auf eigenen Wunsch ihre
politischen Mandate auf, nimmt wieder ihren Mädchennamen an, zieht zuerst nach
Leipzig, 1938 wieder in ihre Geburtsstadt Backnang. 1942 stirbt sie in einem
Krankenhaus in Schwäbisch-Hall an Krebs.

Friedrich Niethammer, Staatsanwalt und verdienstvoller Heilbronner Stadtrat
Auch Friedrich Niethammer, der viele Jahre für das Gesicht der Heilbronner SPD
stand, war kein geborener Heilbronner. Er wurde 1942 in Ludwigsbug geboren. Sein
Vater war als Berufsoffizier vermisst, seine Mutter zog mit vier Kindern nach Calw.
Nach dem Abitur wollte er eigentlich etwas Kulturelles anfangen; schließlich war er
ein Urururenkel des Arztes und Dichters Justinus Kerner, doch wandte er sich dem
Jura-Studium zu, er wurde Richter. Friedrich Niethammer war 1967 in die SPD
eingetreten und entschied sich 1970 zum beruflichen Wechsel nach Heilbronn.
Schon bei seiner ersten Nominierung für den Heilbronner Gemeinderat 1971 wurde
er gewählt und in der nächsten Periode SPD-Fraktionsvorsitzender, ab 1977 auch
ehrenamtlicher Stellvertreter des jeweiligen Oberbürgermeisters.
Dr. Elke Schulz-Hanßen, die zehn Jahre lang mit Friedrich Niethammer im
Gemeinderat war, spricht von ihm von einem gebildeten, intelligenten und integren
Menschen, ein wahrer Staatsanwalt, ein kühler, strategischer Kopf, der seine
Anliegen, Ideen und Vorhaben geschickt zu platzieren und meist auch durchzusetzen
vermochte. Bei der Oberbürgermeisterwahl 1991 trat Friedrich Niethammer gegen
Amtsinhaber Dr. Manfred Weinmann von der CDU an, unterlag jedoch. Mit seinem
Namen sind viele Heilbronner Themen seines 25jährigen Wirkens verbunden:
Jugendzentrum, Theaterneubau, Bildungslandschaft, Eingemeindungen, Stadtbahn,
Regionalverband und besonders die Proteste gegen und Turbulenzen um den
Pershing Standort Waldheide. Friedrich Niethammer starb viel zu früh am
15. Juli 1996. Drei Tage vor seinem Tod wurde er im Krankenbett mit der
Ehrenbürgerwürde der Stadt Heilbronn ausgezeichnet. Eine Straße wurde zum
Andenken nach ihm benannt.

(hs/s.b.)

 

08.12.2022 in Reden/Artikel

Weekly Comment: "Das Allgemeinwohl muss wieder vor das Einzelwohl gestellt werden."

 

Winterliche Stimmung macht sich breit und Weihnachtsfeiern zeigen: das (politische) Jahr neigt sich dem Ende zu. Für unsere Gemeinden und Städten bedeutet das Ende des aktuellen Jahres, das Aufstellen des Gemeindehaushaltes für das kommende Jahr. Spätestens hier endet in vielen Kommunen die weihnachtliche Gelassenheit. Inflation und steigende Preise, aber vor allem die explodierenden Kosten im Bereich der Kinderbetreuung schnüren den Gemeindehaushalt sehr eng. Dabei handelt es sich um keine plötzlich aufgetretene Situation, sondern um einen schleichenden Prozess, der sich über die vergangenen Jahre zugespitzt hat. Für 40 Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis ist das Fass voll. Gemeinsam haben sie einen Brandbrief an Bund und Land unterschrieben, unter den Unterzeichnern ist auch Laudenbachs SPD-Bürgermeister Benjamin Köpfle. Bedeutsam ist, dass nicht nur die finanziellen Ressourcen der Kommunen begrenzt sind – sondern auch die Ressource „Mensch“. Es ist nicht die Frage, ob die Kommunen bereit sind, die ihnen gestellten Aufgaben zu erfüllen, sie sind schlichtweg nicht mehr in der Lage dazu. Die Folge: Der Staat, vornehmlich erlebbar in den Kommunen vor Ort, wird zunehmend als dysfunktional wahrgenommen. Das Vertrauen der Menschen in Politik und Verwaltung nimmt ab. Unser demokratisches System wird dadurch von immer mehr Bürgern zur Lösung der drängendsten Probleme als unfähig abgelehnt. Um die Kommunen in der Zukunft handlungsfähig zu halten, braucht es ein Paradigmenwechsel. Die Finanzausttattung der Kommunen muss nachhaltig gestärkt, statt mit immer neuen Förderprogrammen künstlich am Leben gehalten zu werden. Ein Austausch auf Augenhöhe zwischen Legislative und Exekutive ist gleich bedeutsam wie eine ehrliche Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Die aktuellen Aufgabenlisten der Kommunen müssen kritisch geprüft und im Bedarfsfall neu geordnet werden. Das Allgemeinwohl muss wieder vor das Einzelwohl gestellt werden. Damit die Kommunen in unserem Land auch in Zukunft eins sein können: ein handlungsfähiger und sicherer Hafen für ihre Bürgerinnen und Bürger.

 

07.12.2022 in Bundespolitik

Ein Jahr Ampelregierung: Fortschritt im Wandel

 

 Am ersten Jahrestag der Unterzeichnung des Ampel-Koalitionsvertrags zieht SPD-Landesvorsitzender Andreas Stoch eine positive Bilanz des ersten Regierungsjahres. Gleichzeitig unterstreicht er die Pflicht der grün-schwarzen Landesregierung, endlich mehr für die Entlastung der Menschen im Land zu tun. Das erste Jahr Ampelregierung habe gezeigt, warum es eine SPD in der Regierung braucht, so Stoch: „Mit der Mindestlohnerhöhung und der Einführung des Bürgergeldes ab dem kommenden Jahr hat die Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz auch in einem großen Krisenjahr wichtige sozialdemokratische Kernanliegen umgesetzt. 'Soziale Politik für Dich': Dafür haben auch wir in Baden-Württemberg Wahlkampf gemacht, dafür wurde die SPD gewählt. Nach einem Jahr an der Spitze der Bundesregierung können wir sagen: Versprechen gehalten.“